Windige Geschäfte

– Zur Risikoverteilung bei Windkraftprojekten-

Auf der derzeitigen Gesetzeslage werden im Namen der Energiewende bis über 200 m hohe onshore-Windkraftanlagen (WKA) für windschwache Gebiete im Binnenland gebaut, die auch lt. eigener Einschätzung der Planungsbüros oder Projektierer an der Grenze der Wirtschaftlichkeit arbeiten. Errechnete, nicht gemessene mittlere Windgeschwindigkeiten, sind die Grundlage, mit denen Planungsbüros und Hersteller im Verbund versuchen, solche WKA- Projekte auch in windschwachen Gebieten und teilweise gegen den Willen der Öffentlichkeit zu vermarkten und umzusetzen. Der Projektierer nähme dabei alle Risiken auf sich und Bürger bräuchten und sollten sich darüber am besten keine Gedanken zu machen (so Herr Zimmermann, Rotorkraftwerke, am 03.04.2014 während der Bürgerversammlung in Rockenberg-Oppershofen). Die Betreiber des Projekts würden ja aus dem Eigeninteresse nur wirtschaftliche Windkraftanlagen bauen.

Stimmt das? Was ist davon zu halten?

Das stimmt aus nachfolgenden Gründen natürlich nicht!

Wer sind die Gewinner?

1. Die Planungsbüros:

Planungsbüros wie die Rotorkraftwerke und AlphaSol vermarkten ihre Dienstleistung im Wettbewerb wie jedes andere Unternehmen auch. Die einzigen Risiken bestehen darin, dass aufgrund einer schlechten Vermarktung kein Windpark entsteht oder ein Konkurrent letztlich das Projekt umsetzt. Es handelt sich also um übliche Werbungskosten im Wettbewerb.

Sofern ein Planungsbüro hinreichend Vorverträge geschlossen hat und eine hinreichende Anzahl von Interessenten gefunden hat, Finanzmittel in das Projekt zu investieren, besteht für ihn nur noch das Risiko der Schlechtleistung durch z.B. ungünstige Verträge mit den Beteiligten.

Aber das Risiko besteht kaum, denn, das ist ja sein Geschäft. I.d.R. sind die Verträge so gestaltet, dass der eigene Aufwand über die Investoren bzw. der Finanzmittel der Banken vergütet wird, unabhängig davon, ob das Projekt wirtschaftlich arbeitet oder nicht. Dies wird ja zudem über die EEG- Umlage sicher gestellt.

2. Die Hersteller der Windkraftanlagen (WKA):

Windkraftanlagen-Hersteller wie GE, Enercon etc. vermarkten und verkaufen ihre Produkte im Zusammenarbeit mit den Planungsbüros. In der Regel sind die Verträge so gestaltet, dass die Herstellkosten der WKA schon vor dem Bau, im Rahmen der Bauphase oder anderweitig vorrangig im Rahmen der Finanzierung bedient werden. Die Anlage ist ja verkauft (analog zu den bekannten Schrottimmobilien). Es ist den Herstellern u.U. völlig egal, ob die Anlagen später wirtschaftlich arbeiten oder nicht. Und auch hier gilt: Im Zweifel werden es schon während der Laufzeit von z.B. 20 Jahren die garantierte Einspeisevergütung und die steigende EEG- Umlage richten.

Wer sind die Verlierer?

1. Die Anleger (Investoren)

Die Anleger, die beispielsweise im Falle der Prokon-Insolvenz über Genussscheine für den Erfolg der Windkraftanlagen haften, tragen das Risiko ihrer Papiere. Denn die Genuss­rechts­bedingungen sehen i.d.R. vor, dass Fehl­beträge zunächst den Rück­lagen und dann dem Stamm­kapital der Gesell­schaft zugewiesen werden. Übersteigen die Verluste das Stammkapital der Gesell­schaft, muss das Genuss­rechts­kapital sie voll mittragen. Der Rück­zahlungs­anspruch der Anleger sinkt entsprechend. Genannte Renditen „von bis zu“ 6% können im onshore-Bereich in der Praxis nicht erzielt werden. Im Gegenteil, wir bewegen uns hier ja im Grenzbereich der Wirtschaftlichkeit und eine kleine negative Variable führt zu Verlusten.

Häufig sind die späteren Betreiber der Anlagen sogenannte „Bürgerwindparks“, für die sich beispielsweise die Gesellschaftsform der eG und die GmbH & Co.KG durchgesetzt haben. Hier gelten für die Kapitalgeber ebenfalls die gesetzlich geregelten Haftungen und Risiken.

2. Die Eigentümer von Grund und Boden

Teilweise sind auch die verschiedentlich als Gewinner gesehenen Eigentümer von Grund und Boden Verlierer, die Flächen für unrentable WKA- Projekte zur Verfügung gestellt haben. In der Regel wird nämlich nur ein Teil der Pacht gesichert vergütet. Ein Großteil bleibt infolge einer entsprechenden Vertragsgestaltung erfolgsabhängig. So gesehen stellen sich u.U. am Ende die erwarteten Pachteinnahmen gar nicht ein.

3. Die Bürger der Region

Möglicherweise ist mit der Fehlallokation von Finanzressourcen eine gigantische  Zerstörung von über Generationen gewachsene Natur- und Kulturlandschaften verbunden, die u.U. nicht oder nur schwer wieder korrigiert werden kann. Das zeigen auch Hochrechnungen über die Anzahl der WKA’s, die für die Erfüllung des geplanten Windkaftanteils erforderlich sind. Zumindest müssten die nächsten Generationen mit den Ergebnis der Landschafts- und Kulturzerstörung leben, die ihre Ursache in einer unglücklichen Gesetzeslage und schwer zu durchschauende behördliche Prozesse im Verbund mit ungesteuerten Finanzströmen hätte. Der Naherholungs- und Wohnwert in den betroffenen Regionen wäre stark beeinträchtigt.

Fazit:

Es verwundert nicht, dass wirtschaftlich (mit)denkende Bürger den Planern nicht genehm sind. Man braucht ja die „Unwissenden“ für sog. „Bürgerwindparks“ oder dazu, dass potentielle Anleger ausreichend Finanzmittel zur Verfügung stellen. Das übrige regelt die EEG-Umlage.

Anmerkung:

Den Beitrag hat keineswegs ein Gegner der Energiewende oder speziell der Windkraft verfasst. Ich bin für eine transparente Darstellung aller Aufwendungen und Erträge und gegen nicht zu verantwortende Auswirkungen solcher letztlich unser ganzes Land betreffender Großprojekte. Man kann sie eben nicht nur Marktgesetzen überlassen. Eine mangelnde Transparenz der Energiepolitik ist nicht neu. Sie hat ja bereits Vorläufer z.B. bei der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung und der Errichtung von Atomkraftwerken, die teilweise Risiken und Endlagerkosten völlig außer Betracht gelassen hat. Auch sind die (Umwelt)kosten der Energieerzeugung mittels Braunkohle und damit einhergehende Standort bezogene Probleme vernachlässigt worden. Nur- man kann eine wohl immer schon problembehaftete Energiepolitik nicht durch eine nicht zu Ende gedachte und -gerechnete Politik einer Energiewende ablösen, die am Bürger vorbei geht.