Pressebericht des BLuK e.V.

Pressebericht des BLuK e.V.  – Bündnis zum Schutz des Lebensraums und der Kulturlandschaft Münzenberg/Rockenberg zum Genehmigungsverfahren gem. § 4 Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) zur Errichtung und Betrieb von 6 Windkraftanlagen in Wölfersheim (Gemarkung Wohnbach)

„Das BLuK e.V. – Bündnis zum Schutz des Lebensraums und der Kulturlandschaft Münzenberg/Rockenberg bedankt sich bei der Stadt Münzenberg für die eindeutige Positionierung eines Mindestabstands von 5.000 Metern für Windkraftanlagen (WKA) zum historischen Baudenkmal Burg Münzenberg und für einen geforderten 2000-Meter-Abstand zur Wohnbebauung. Hierzu wird auf den Pressebericht in der BZ vom 24.05.2014 verwiesen. Wie diesem zu entnehmen ist, beträgt der bislang in den Planungsunterlagen zugrunde gelegte Abstandspuffer zur Burg Münzenberg lediglich 600 Meter.“

Am 19.12.2013 hat die Firma LENPower GmbH, 30177 Hannover beim Regierungspräsidium (RP) Darmstadt den Genehmigungsantrag zum Bau von 6 Windkraftanlagen (WKA) in Wölfersheim (Gemarkung Wohnbach) gestellt. Mit diesem Antrag, der die Errichtung und die Inbetriebnahme von sechs 200 Meter hohen Anlagen zum Ziel hat und einer möglichen Genehmigung durch das RP Darmstadt, könnten Tatsachen geschaffen werden, die im Vorfeld der Entscheidung über den „Entwurf des Sachlichen Teilplans Erneuerbare Energien“ irreparable Folgen im Hinblick auf das Kulturerbe „Burg Münzenberg“ und das Landschaftsbild in der Wetterau – insbesondere in den Regionen Münzenberg/Rockenberg/Wohnbach und Wölfersheim – haben. Das BLuK e.V. – Bündnis zum Schutz des Lebensraums und der Kulturlandschaft Münzenberg/Rockenberg – weist mit dieser Stellungnahme darauf hin, dass der Antrag der Firma LENPower in einem völlig  unabhängigen Genehmigungsverfahren nach § 4 Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) behandelt wird, das separat zum Genehmigungsverfahren zu der geplanten (868 Hektar großen) Windvorrangfläche (s. „Entwurf des Sachlichen Teilplans Erneuerbare Energien“ – Blatt 10500), die u. a. die Region Münzenberg/Rockenberg/Wohnbach und Wölfersheim betrifft, zu sehen ist. In diesem Zusammenhang merkt das BLuK an, dass Einwendungen gegen den geplanten „Entwurf des Sachlichen Teilplans Erneuerbare Energien – Blatt 10500“) bereits beim Regionalverband FrankfurtRheinMain fristgerecht eingereicht wurden. Die Firma LENPower versuche somit in einem völlig unabhängigen Genehmigungsverfahren nach § 4 Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) den Bau der 6 WKA vor der eigentlichen Festlegung der Windvorrangflächen in einem vereinfachten Genehmigungsverfahren beim RP Darmstadt durchzuziehen.

Von den 6 geplanten WKA liegen nach den Recherchen des BLuK 4 im und 2 außerhalb des geplanten Windvorranggebiets (vgl. „Entwurf des Sachlichen Teilplans Erneuerbare Energien“ – Blatt 10500). Aus Sicht des BLuK – und in diesem Zusammenhang wird auf die Vorgehensweise des RP Gießen hingewiesen, das im Vorfeld der Festlegung des „Entwurfs des Sachlichen Teilplans Erneuerbare Energien“ keine Genehmigung geplanter WKA mehr erteilen werde – ist die Errichtung und die Inbetriebnahme der 6 WKA in Wohnbach nicht zu genehmigen. Weiterhin merkt das BLuK an, dass eine zum jetzigen Zeitpunkt erteilte (mögliche) Genehmigung in der breiten Öffentlichkeit den Eindruck erwecken werde – und sogar massiv untermauern würde -, dass das Regierungspräsidium Darmstadt durch ein „vereinfachtes Genehmigungsverfahren“ bereits 6 WKA im Vorfeld der Festlegung der Windvorranggebiete unterstützen und fördern könnte.

Zur Verdeutlichung der massiven negativen Auswirkungen auf das Sichtfeld „Burg Münzenberg“ zeigt das Bündnis zum Schutz des Lebensraums und der Kulturlandschaft Münzenberg/Rockenberg e. V. die eigens ermittelten Entfernungen (Luftlinie) von der Burg Münzenberg zu den einzelnen WKA (1 – 6) auf:

Entfernung (Luftlinie): WKA (1 – 6) bis zur Burg Münzenberg:

  • WKA (Nr. 1): 3,10 km
  • WKA (Nr. 2): 3,40 km
  • WKA (Nr. 3): 3,63 km
  • WKA (Nr. 4): 4,05 km
  • WKA (Nr. 5): 4,30 km
  • WKA (Nr. 6): 4,55 km

Die maßstabsgetreue Fotomontage, die bereits auf unserer Homepage eingestellt worden ist, verdeutlicht die  negativen Auswirkungen der 6 WKA auf das Kulturerbe „Burg Münzenberg“.

Das BLuK hofft auf den Sachverstand und den Weitblick des Regierungspräsidiums und insbesondere die Einflussmöglichkeiten der für den Denkmalschutz verantwortlichen Stellen und Behörden, damit das Kulturerbe „Burg Münzenberg“ und das Landschaftsbild in der Wetterau nicht durch „vorauseilenden Aktionismus einer Windenergieplanwirtschaft“, die insbesondere in der Region Münzenberg, Rockenberg, Wohnbach und Wölfersheim massiv vorangetrieben wird, dauerhaft zerstört wird.

 

Rockenberg, 21.05.14

Ralf Koch  (1. Vorsitzender BLuK e.V.)

Jörg Müller  (2. Vorsitzender BLuK e.V.)

Subventionsruine Wohnbach ?

Bedauerlicherweise scheint sich kein Entscheidungsträger für Wirtschaftlichkeitsberechnungen bei geplanten Windkraftanlagen zu interssieren. Im Rahmen der sogenannten Energiewende wird offensichtlich wider jede Vernunft geplant, genehmigt und gebaut, um ein Politikum durchzuboxen.

Bei Wohnbach sollen in einem ohnehin als windarm bekannten Gelände direkt hinter dem Wald 6 WKA mit einer Nabenhöhe von 149 m und einem Rotordurchmesser von ca. 101 m errichtet werden. Die Standorte sind auf einer Höhe von 200 – 210 m im Abstand von 700 m zum nächsten Bauernhof und 1000 m zu Wohnbach geplant. Der (aus der Hauptwindrichtung) direkt westlich davorliegende ca. 3 km tiefe Wald liegt auf einem Hügel, der von Rockenberger Seite kontinuierlich ansteigt und dessen höchste Erhebung (249 m) gerade einmal 700 m von den WKA entfernt ist. Rechnet man den (noch) vorhandenen Baumbestand mit 25 – 30 m Höhe hinzu, stellt man fest, dass sich die Blattspitzen-Unterkanten der Rotorblätter höchstens auf Baumhöhe befinden.

Hierzu folgende Zitate aus:

Unabhängige Ermittlung des Windpotenzials für das Bundesland HESSEN (DEUTSCHLAND)

Bericht Nr.: MS-1104-031-HE-de/Revision 1/Datum: 16.12.2011

8.3 Wind im Wald: „… Wald löst jedoch durch seine komplexe inhomogene Eigenschaft starke Verwirbelungen und Turbulenzen im und um den Wald herum aus. Diese führen in der Regel zu einer Windgeschwindigkeitsreduktion, die modellarisch im Windatlas nicht erfasst werden kann, …“

8.3.2 Waldnaher Standort: „Befindet sich die Messung bzw. die zu berechnende Windkraftanlage innerhalb dieses 30 bis 40-fachen Höhenradius um den Waldgürtel herum, können turbulente Strömungen auftreten, die durch das Modell nur sehr schwer zu greifen sind und evtl. zu einer Fehlinterpretation der Windgeschwindigkeiten führen können. Für Windkraftanlagen sollten hier bereits Nabenhöhen gewählt werden, die umso höher sind, je näher die Anlagen an den Waldrand heranrücken. Mindestens jedoch sollte die zweifache Waldhöhe für die Blattspitzen-Unterkante eingehalten werden. An dem Waldrand selbst sollte die dreifache Waldhöhe für die Blattspitzen-Unterkante gewählt werden, wie sie auch für Standorte im Wald zutrifft.“

Unter diesen Voraussetzungen erscheint es ausgesprochen rätselhaft, wie diese WKA Strom erwirtschaften sollen und der Verdacht ist ungeheuerlich, dass hier lediglich die satten Subventionen abgegriffen werden sollen. Der Projektierer, der Erbauer und alle, die im Vorfeld ihre Gelder einstreichen, sind längst bedient, wenn nach einer gewissen Zeit die Unwirtschaftlichkeit und die folgende Insolvenz festgestellt werden muss … Die leidtragenden sind dann u. a. die Grundstücksbesitzer, die nicht den erhofften Gewinnanteil erhalten und trotzdem irgendwann für den Fundamentrückbau verantwortlich sind, die anliegenden Gemeinden und die Natur.

In dem hiesigen Fall ist dies besonders schlimm, da durch die Errichtung dieser WKA extrem wertvolle Kulturlandschaft unwiederbringlich auf frevelhafte Weise zerstört wird (siehe Fotomontage, Blick von der A 45, Gambacher Kreuz, Richtung Münzenberg).

Klagen auf Schadensersatz und Wiedergutmachung sind auf alle Fälle angebracht.

Sollten sich wider Erwarten die WKA doch einmal drehen – wahrscheinlich unter Zuhilfenahme konventioneller Energie – werden die Wohnbacher bei einem Abstand von 1000 m sicherlich kein Auge mehr zumachen …

Auf einer Presse-Veröffentlichung der SPD Münzenberg vom 24.06.2013 heißt es:

„Dem Betrieb von Windkraftanlagen im Stadtgebiet von Münzenberg gab Stamm eine Absage. Aufgrund der vorherrschenden geringen Windgeschwindigkeiten, ist hier nicht von einer wirtschaftlichen Nutzung auszugehen.“ Diethard Stamm ist Vorstandsmitglied der MiEG (Mittelhessische Energiegenossenschaft eG).

Der Abstand von Münzenberg zu den geplanten WKA beträgt gerade einmal 3 km. 

In Wölfersheim/Wohnbach sind 6 WEA geplant

Ein Leserbrief von Uwe Müller – Vorsitzender des Freundeskreises Burg und Stadt Münzenberg

Windräder über der Burg Münzenberg

Am 9. April 2014 ging bei der Stadt Münzenberg und weiteren 23 „vorläufigen“ Verteilern ein Schreiben des Regierungspräsidiums Darmstadt ein, in dem es um das Genehmigungsverfahren gem. § 4 Bundes-Immissionsschutzgesetz für die Errichtung und Betrieb von sechs Windenergieanlagen in Wölfersheim-Wohnbach geht. Anlagen vom Typ E-101 mit einer Nabenhöhe von 149 m und einer Gesamthöhe von 199,5 m sollen auf einer Höhe zwischen 199 und 209 m über NN entstehen. (Der begehbare Turm von Burg Münzenberg hat eine Höhe von 276 mm über NN.) Das Regierungspräsidium schreibt dazu: “ Die Fachbehörden … werden … am Verfahren beteiligt und um Stellungnahme gebeten.“ Der Antragsteller, die Firma LENPower GmbH aus Hannover, gibt in seinem Genehmigungsantrag vom 21.03.2014 an: „Es wurden, mit dem Ziel möglichst geringer Landschaftszusatzbelastung, Standorte direkt östlich der A 45 ausgewählt … So wurde das Ziel, die Landschaftsbelastung möglichst gering zu halten, erreicht.“ (S. 2: Ziele) Zum Thema „Denkmalschutz“ schreibt das Unternehmen in sechs (!) Zeilen: „Im Plangebiet befinden sich zahlreiche archäologische Denkmale …, wobei das spektakulärste die Ruine „Münzenburg“ ist … Letztere muss besonders bei der Errichtung von WEA berücksichtigt werden. Die Fachbehörden sind beteiligt worden …“ (S. 11: Denkmalschutz) Das Landesamt für Denkmalpflege Hessen ist lt. Auskunft vom 11.04.2014 nicht beteiligt worden, auch nicht die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen (Auskunft vom 30.04.2014), lediglich die Archäologische Denkmalpflege des Wetteraukreises, dafür aber die Wehrbereichsverwaltung IV in Wiesbaden.

 „Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.“ (Heinrich Heine)