BLuK Gründung vor vollem Haus

Bürgerinitiative gegen Windkraftanlage gegründet – Energiewende nur im Einklang mit Mensch, Tier und Natur

 

MÜNZENBERG/ROCKENBERG. Ein Windrad hinter der Burg Münzenberg, höher als der Aussichtsturm und weitere sieben 200-Meter-Giganten bis nach Rockenberg? Um das zu verhindern, hat sich am Dienstagabend eine Bürgerinitiative gegründet. Im Burghotel Münzenberg rief eine Interessensgemeinschaft von Bürgern den gemeinnützigen Verein „BLuK-Bündnis zum Schutz des Lebensraums und der Kulturlandschaft Münzenberg/Rockenberg“ ins Leben mit dem Ziel, die Energiewende im Einklang mit Mensch, Tier und Natur umzusetzen.

Autorin

Angela Kammer

Eine imposante Zahl von rund 130 Menschen kommt zur Gründungsversammlung der Bürgerinitiative. An der Wand Transparente mit der Aufschrift  „Windkraft ja, aber so nicht“. Panorama-Simulationen zeigen acht Windräder neben der Landesstraße L3135 und die Burg, die von einem Windrad überragt wird. Von „einer unglaublichen Resonanz“ berichtete Jörg Müller, einer der Initiatoren, von dem Wunsch, „eine nicht zu unterschätzende Größe“ in der Region zu werden und der „mit der Energiewende aufgekommenen Goldgräberstimmung“ etwas entgegenzusetzen.

Uwe Müller, Vorsitzender des Vereins „Freundeskreis Burg und Stadt Münzenberg“, kritisiert einen nicht akzeptablen Widerspruch zum Denkmal- und Naturschutz in der Planung. Die sei „unausgegoren“, denn nur die Standorte von zwei Anlagen stimmten mit den ausgewiesenen Windvorrangflächen überein. „Wir wollen nicht untätig zusehen, wie wir unser letztes Erholungsgebiet verlieren“, nannte er als Motiv der Vereinsgründung.

Das neue Vereinslogo – ein Logo mit Symbolcharakter. Es vereint die Wahrzeichen der beiden Ortschaften, die Silhouette der Burg und die drei Kirchen Rockenbergs mit den Farben der Wetterau, die sich in fruchtbarem Ackerland, namengebendem Fluss, ertragreichen Getreide- und Rapsfeldern und dem Naherholungsgebiet Wald und Wiesen spiegeln.

Vielfältige Aspekte des Kultur- und Landschaftsschutzes und schutzbedürftige Interessen von Bürgerinnen und Bürgern sehen die Gründer nicht berücksichtigt. Der neu gegründete gemeinnützige Verein versteht sich jedoch nicht als Gegner der Energiewende, er möchte sie vielmehr im Einklang mit Mensch, Tier und Natur umgesetzt wissen. Umweltschutz, Kultur, Denkmalschutz, Naturschutz, Landschaftspflege, Volksbildung und Förderung des bürgerschaftlichen Engagements zugunsten dieser gemeinnützigen Zwecke hat er sich auf die Fahne geschrieben.

Der Verein versteht sich als Schützer des Lebensraums der nördlichen Wetterau, die geprägt ist durch die denkmalgeschützte Burg mit nationaler Bedeutung, historischen Altstädte, Naherholungsgebiete als auch Naturschutzgebiete für seltene Tierarten. Für diesen Anspruch kämpft der Verein und bittet die Bürgerinnen und Bürger um Unterstützung und Mitarbeit.

Wie stark die 200 Meter hohen Windkraftanlagen und die damit verbundenen Verkehrsflächen den Lebensraum und die Kulturlandschaft der Region beeinträchtigen würden, soll öffentlich gemacht werden. Kommunikation mit allen öffentlichen Stellen, die im Entscheidungsprozess eingebunden sind (u.a. Planungsverband Rhein Main, Kreisausschuss, Regierungspräsidium) ist das Ziel um den Prozess mit den zur Verfügung stehenden Mitteln zu beeinflussen. Nicht ausgeschlossen wird, den Rechtsweg zu beschreiten, sofern alle Wege des Dialogs keine Ergebnisse bringen sollten.

In der Gründungsversammlung wählten die Gründungsmitglieder als Vorstand: Ralf Koch (Vorsitzender), Jörg Müller (stellvertretender Vorsitzender), Richard Buchholz (Kassenwart), Susanne Best (Schriftführerin). Beisitzer:  Wolf Becker, Christine Hothum, Miroslav Hovorka sowie  Sascha Koch und Sabine Tinz (nicht im Bild). Als Kassenprüfer gewählt wurden Lothar Düringer und Norbert Reuter.

Erreichen will der Verein, dass die Windvorranggebiete nicht in dieser Form realisiert werden. Ab 24. Februar wird der Regionalplan Südhessen offen gelegt, dann haben alle, die sich betroffen fühlen Gelegenheit, Einwände zu äußern. Geplant sei eine Unterschriftensammlung um den Forderungen des Vereins Nachdruck zu verleihen und die Zusammenarbeit mit Organisationen, die ähnliche Zwecke verfolgen. Auch weitere Interessensgruppen will der Vorsitzende Ralf Koch erreichen: „Landwirte, Jäger und Reiter sind Gruppen, die wir noch ansprechen wollen“.