Mindestabstände von Windkraftanlagen zu Wohnsiedlungen geraten zunehmend in die Kritik

Dass moderne Windkraftanlagen mit Höhen von bis zu 200m einen Mindestabstand zu Wohnsiedlungen einhalten müssen ist jedem einleuchtend. So verursachen solche industriellen Anlagen Lärm, Schlagschatten, Blinklicht bei Nacht und führen in der Landschaft zu einer sog. optischen Bedrängung. Warum gibt es aber so unterschiedliche Forderungen bzgl. des einzuhaltenden Mindestabstandes zu Wohnsiedlungen? Zum einen hinken die Gesetzesvorgaben und die zur Anwendung kommenden Messverfahren den aktuellen Erfordernissen hinterher und stammen aus einer Zeit, in der Windkraftanlagen deutlich kleiner waren. Zum anderen verursachen große Windkraftanlagen (mit Flügellängen > 35m) eine deutlich anders geartete Lärmemission als die kleineren Anlagen. Und genau hier liegt der Knackpunkt: Große Windkraftanlagen verursachen deutlich mehr und stärkeren niederfrequenten Lärm (< 200Hz) aber auch sogenannten Infraschall (< 20Hz). Diese beiden Komponenten des Lärms (< 200Hz) werden zusammengefasst als ILFN (Infrasound and Low Frequency Noise) bezeichnet.

Zunehmend belegen Studien, dass ILFN, ausgehend von großen Windkraftanlagen, eine gesundheitsschädigende Wirkung auf Anwohner haben kann, wenn der Mindestabstand zu ihren Häusern zu gering gehalten wird. So fordert das Unabhängige Ärzteforum Erneuerbare Energien – Bad Orb in einem offenen Brief an Ministerpräsidenten Seehofer, vom 2. Februar 2014, einen Mindestabstand von 2000m zwischen Windkraftanlagen und Wohnsiedlungen. So heißt es im Brief des Ärzteforums:

„Bereits jetzt ist aber ein Ergebnis sicher: dass erst 2000m Abstand zur Windkraft-Emissionsquelle eine größere, aber nicht absolute Sicherheit vor emissionsbedingten Gesundheitsschäden bietet.“

In einer Ausarbeitung zum Thema Gefährdung der Gesundheit durch Windkraftanlagen (WKA) fordert das Unabhängige Ärzteforum Erneuerbare Energien – Bad Orb, um auf der sicheren Seite zu bleiben:

„In die Ausschlussbedingungen für WKA ist der Mindestabstand zu bewohnten Gebäuden mit mindestens 3000m gemäß Empfehlung international anerkannter Wissenschaftler aufzunehmen.“

Es wird also höchste Zeit, dass solche Erkenntnisse Einzug in die Gesetze finden und bei der Planung von Windkraftanalgen berücksichtigt werden. Derzeit gilt bei der Auswahl von Windvorranggebieten in Hessen ein Mindestabstand von Windkraftanlagen zu Wohnsiedlungen von 1000m, zu Aussiedlerhöfen von 600m, zu gewerblichen Bauflächen von 300m und zu Kleingärten von 300m. Dies erscheint nach den aktuellen Ergebnissen des Ärzteforums als viel zu gering!